In der achten Ausgabe des Podcasts "Behind the Story" von Wolfgang Jung ist Barbara Lampl zu Gast – Gründerin und Geschäftsführerin von Empathic Business, Verhaltensmathematikerin, Dozentin und Speakerin. Im Gespräch am "digitalen Lagerfeuer" erzählt sie von ihrer Herkunft als Arbeiterkind, ihrem Weg über Mathematik, Finanzwissenschaften und Psychologie bis hin zur Arbeit mit künstlicher Intelligenz. Ihre Geschichte handelt von Prägung, Rückschlägen und der Überzeugung, dass Privilegien dazu da sind, sie für andere einzusetzen.

Ein Elternhaus, das prägte

Barbara Lampl stammt aus einem Ort in der Nähe von München. Ihre Eltern, Jahrgang 1941 und 1942, hatten beide lediglich acht Jahre Volksschule besucht – ein bewusst nicht-akademischer Haushalt, der sie bis heute prägt. Beide Eltern erhielten unabhängig voneinander die höchste Auszeichnung des Bayerischen Staates für ehrenamtliches Engagement, die Pater-Rupert-Mayer-Medaille in Gold. Soziale und gesellschaftliche Verantwortung sei in ihrer Familie selbstverständlich gelebt worden.

Besonders wichtig ist ihr die Botschaft, dass sie zu Hause nie "anders" war. Ihre Autismus-Diagnose erhielt sie erst nach ihrem dreißigsten Geburtstag – zuvor war sie einfach anders als andere Kinder, zu Hause aber immer richtig.

Das ist etwas, mehr kannst du den Kindern nicht mitgeben, dass du zur Haustür reinkommst und weißt, du bist richtig und die Welt ist in Ordnung.

Von einem akademischen Blick von oben herab hält sie nichts: "Leite nicht am akademischen Titel den Intelligenzquotienten deines Gegenübers ab" – eine Haltung, die direkt aus ihrer Herkunft stammt.

Vom faulen Streber zur Mathematikerin

Als hochbegabtes Kind mit mathematischer und sprachlicher Veranlagung beschreibt sich Lampl selbst als "stinkfaul" – Faulheit versteht sie dabei als das Optimieren von Aufgaben, um möglichst viel Freiheit zu gewinnen. Hausaufgaben empfand sie oft als sinnlos und verhandelte sogar mit Lehrkräften über deren Mehrwert. Ihr Weg führte über das Gymnasium, ein Abitur mit den Leistungskursen Geschichte und Mathematik, bis zum Mathematikstudium an der Universität Zürich.

Den entscheidenden Rat gab ihr eine Lehrerin: Sie wisse zwar nicht, was sie wolle, könne aber entscheiden, was sie nicht wolle. Prägend wurden zwei Professoren – Thorsten Hens, ein renommierter Vertreter der Behavioral Finance, und Martin Janssen, dessen Vorlesungen über Finanzregulation ihre Karriere nachhaltig beeinflussten. Bis heute bewegt sie sich beruflich in stark regulierten Feldern, vom Finanzmarkt über Gesundheitsdaten bis zur europäischen KI-Verordnung.

Von Sales ins Marketing – und zur eigenen Firma

Ihre Berufslaufbahn begann früh: Bereits mit 13 Jahren arbeitete sie, gab Nachhilfe, verkaufte Kleidung und war in der Gastronomie tätig. Nach dem Studium stieg sie in ein Multi Family Office in Zürich ein, gründete eine erste eigene Firma und half während der Finanzmarktkrise, Kundenportfolios zu betreuen. Auffällig war, dass sie – anders als viele Kollegen – auch in Krisenzeiten erfolgreich Kunden gewann. Der Grund: ein eigener, datenbasierter Verkaufsprozess mit veränderter Reihenfolge und die konsequente Arbeit mit von Menschen erzeugten Daten, lange bevor dies Standard war.

Aus dem Vertrieb geriet sie "versehentlich" ins Marketing – nach eigener Aussage, weil sie sich beschwerte, dass das Marketing keine anständigen Leads liefere, woraufhin ihr Chef sie einfach machen ließ.

Empathic Business: Der Name als Programm

2014 gründete Barbara Lampl ihr Unternehmen Empathic Business – nach einem Vorgängerunternehmen, das aufgrund ausgefallener Kundenforderungen Insolvenz anmelden musste. Der Name vereint mehrere Ebenen: einen Insider-Gag, weil Autisten fälschlicherweise fehlende Empathie unterstellt wird, sowie ihren methodischen Ansatz, mit kognitiver statt emotionaler Empathie zu arbeiten.

Diese kognitive Empathie sei genau das, was heute in großen Sprachmodellen zum Tragen komme. Für Lampl ist Empathie essenziell, um Menschen durch Veränderungsprozesse zu begleiten.

Ich bin in den letzten 20 Jahren noch nie an den Daten und noch nie an der Mathematik gescheitert, aber immer an Menschen.

KI, Empathie und die Gefahr der Vermenschlichung

Auf die Frage nach der Entwicklung von KI stellt Lampl klar: Sprachmodelle gaukeln keine Empathie vor, sie verfügen tatsächlich über kognitive Empathie – nur nicht über emotionale. Das große Problem sieht sie in der Vermenschlichung dieser Systeme, wodurch die nötige Distanz verloren gehe, dass es sich um eine Maschine handelt. Emotionale Empathie durch KI würde sie ausdrücklich nicht begrüßen. Ihr prägnanter Satz dazu: "KI hat keine Gänsehaut."

Resilienz als trainierbarer Muskel

Trotz aller Erfolge betont Lampl, dass ihr Leben von zahlreichen Rückschlägen geprägt ist – von Insolvenz über schwere gesundheitliche Krisen bis hin zu Long Covid, in dessen Folge sie 35 Kilo zunahm. Neun Bandscheibenvorfälle, vier davon operiert, gehören zu ihrer Geschichte. Was viele auf LinkedIn oder auf der Bühne sehen, sei stets nur das Endprodukt.

Ihr Umgang mit Krisen: Resilienz, die sie zum Teil als genetisch bedingt ansieht, ein starkes "Wahlverwandtschaftsnetzwerk" und die Fähigkeit, Wut als Energie zu kanalisieren. Vor allem aber betont sie – wie viele Gäste des Podcasts zuvor – die Bedeutung, um Hilfe zu bitten.

  • Niemals anhalten – der kürzeste Weg durch die Hölle führt geradeaus.
  • Privilegien nutzt man für andere, nicht für den eigenen Vorteil.
  • Resilienz ist ein Muskel, der trainiert werden muss.
  • Sich selbst regelmäßig kritisch hinterfragen.
  • Um Hilfe zu bitten ist eine Stärke, keine Schwäche.

Auf die Frage, was sie sich für die Welt wünschen würde, antwortet Lampl ohne Zögern: das Verschwinden von Rassismus und Faschismus. Ihre Lebensgeschichte zeigt, wie Herkunft, Fleiß und Haltung zusammenwirken – und dass der Weg trotz aller Rückschläge immer nach vorne führt.