Suchmaschinenoptimierung galt lange als Handwerk aus Keywords, Rankings und organischem Traffic. Doch mit dem Aufstieg von KI-Suchsystemen wie ChatGPT, Gemini und Googles KI-Übersicht verschiebt sich die Logik grundlegend. In einer Folge des Podcasts Video Reloaded spricht Host Florian Gibser mit Lars Ouissa, SEO-Experte bei der Kölner Agentur Moorfire, über die Frage, wie KI die SEO-Welt verändert und welche Rolle Videos und Plattformen wie YouTube dabei spielen. Die Kernbotschaft: Sichtbarkeit funktioniert weiterhin nur, wenn Unternehmen ihre Hausaufgaben machen – aber die Spielregeln haben sich verschoben.

Warum Video an Bedeutung gewinnt

Ouissa sieht Video-Content als zunehmend wichtigen Baustein für Sichtbarkeit – gerade weil KI andere Inhalte immer schwerer verifizierbar macht. Bei Bildern lasse sich oft kaum noch unterscheiden, ob sie echt oder KI-bearbeitet seien. Genau deshalb gewinne Video an Vertrauenswert. Ein authentisches Video zeige, dass ein Produkt tatsächlich so aussieht, wie beworben, oder dass eine Person real ist.

Zwar existierten bereits KI-generierte Influencer auf hohem Qualitätsniveau, doch in der Unternehmenskommunikation seien solche Inhalte weiterhin erkennbar – oft an der zu glatten Optik oder an hölzernen Bewegungen. Menschliche Unvollkommenheiten wie Versprecher oder kurze Denkpausen könnten die Plattformen bislang nicht überzeugend nachbilden. Fehlt diese Echtheit, riskieren Marken den Verlust von Vertrauen.

Zudem würden Videos in der Suche immer häufiger ausgespielt – sowohl bei Google und Bing als auch in KI-Systemen wie ChatGPT, Gemini oder dem AI Mode. Der Grund: Die Systeme erkennen, wenn Nutzer bewegte Inhalte sehen wollen.

Die Verbindung zwischen YouTube und der eigenen Webseite

Ein zentraler Punkt des Gesprächs: Das bloße Hochladen von Videos bei YouTube entfaltet längst nicht die gleiche Wirkung, wie wenn diese Videos zusätzlich auf der eigenen Webseite eingebunden werden. YouTube und Webseite sind zunächst getrennte Kanäle. Erst durch die Einbindung entsteht laut Ouissa eine deutlich stärkere Verknüpfung, die den Bots signalisiert, dass ein Video zu einer bestimmten Person oder Marke gehört.

Hilfreich sei außerdem ein Transkript oder Untertitel. Maschinen läsen nach wie vor lieber Text aus als reines Bewegtbild. Wer seine Videos selbst mit einem Transkript versieht, erleichtert die Verarbeitung – auch wenn KI-Systeme künftig ganze Videos inhaltlich erfassen dürften.

Eigentlich ist es die Optimierung für Nutzer – egal, wo wir da optimieren.

Verlorener Traffic – und was das für Unternehmen bedeutet

Ouissa macht eine unbequeme Realität deutlich: Der Traffic aus einfachen, informationellen Suchanfragen kommt nicht zurück. Fragen, deren Antworten die KI aus ihren Trainingsdaten oder direkt aus der Übersicht liefert, führen nicht mehr zu Klicks auf Webseiten.

Umso wichtiger werde es, den KI-Systemen weiterhin verwertbare Informationen bereitzustellen – strukturiert, mit klarer Überschriftenhierarchie und einer kurzen Zusammenfassung zu Beginn eines Dokuments, die die wichtigsten Nutzerfragen direkt beantwortet.

Zur Frage, warum Kunden ihn manchmal über veraltete Wege finden, weist Ouissa darauf hin, dass Informationen auch auf fremden Webseiten liegen können. Deshalb sollten Unternehmen nicht nur die eigene Seite pflegen, sondern auch prüfen, wo im Netz über sie geschrieben wird – und veraltete oder unerwünschte Inhalte gegebenenfalls entfernen lassen. Auch Erwähnungen auf externen Seiten oder gepflegte Wikipedia-Einträge könnten die Sichtbarkeit stützen.

Von Keywords zu echten Suchintentionen

Ein entscheidender Wandel liegt in der Art, wie Menschen suchen. Früher gaben Nutzer bei Google nur wenige Keywords ein – etwa "Videostudio einrichten lassen". In KI-Systemen formulieren sie hingegen ganze Sätze mit vielen Details: Größe, Anforderungen, Rahmenbedingungen.

Für Unternehmen bedeutet das: Auf der Webseite müssen deutlich mehr Informationen stehen. Es reiche nicht mehr, ein Angebot zu benennen. Ebenso wichtig sei, klar zu kommunizieren, welche Kunden man ansprechen will – und welche nicht. Ob Google eine KI-Übersicht ausspielt oder nicht, hänge stark von der erkannten Suchintention ab und sei kaum vorhersehbar. Bei rein informationalen Anfragen erscheint die Übersicht eher, bei transaktionalen – wenn also gekauft werden soll – seltener.

KI-Texte: Chance und Fallstrick zugleich

Auf die Frage, ob selbst erstellte SEO-Texte per KI zu einer Abstrafung führen, gibt Ouissa Entwarnung – mit Einschränkungen. Klassische Google-Penalties seien bei KI-Inhalten kaum noch relevant. Problematisch werde es jedoch, wenn ungeprüfte KI-Texte mit halluzinierten Fehlinformationen veröffentlicht würden. Solche Inhalte könnten der gesamten Webseite schaden.

Gut gemachte, überarbeitete KI-Texte hingegen würden sowohl von Google ausgespielt als auch von KI-Suchsystemen zitiert. Wer eigenes Material besitzt – etwa Transkripte aus Podcast-Folgen oder eigene Fachartikel – könne dieses mit KI-Unterstützung sinnvoll aufbereiten, sofern der Inhalt selbst vom Autor stammt und der Text anschließend geprüft, mit Hervorhebungen und internen Verlinkungen versehen wird.

Ein Glossar auf der Webseite empfiehlt Ouissa ausdrücklich: Fachbegriffe wie etwa ein "Selbstfahrerstudio" lassen sich erklären und mit Produktseiten verknüpfen – und umgekehrt. So entsteht eine sinnvolle interne Struktur, die Nutzer führt und Suchmaschinen zeigt, wofür eine Marke steht.

Konkrete Handlungsempfehlungen für kleine Unternehmen

Zusammengefasst ergeben sich aus dem Gespräch mehrere praktische Ansätze:

  • Video-Content bei YouTube veröffentlichen, möglichst mit Transkript oder Untertiteln.
  • Fokus-Unterseiten zu den wichtigsten Angeboten erstellen und dort Text und Video kombinieren.
  • YouTube-Videos in die eigene Webseite einbinden, um die Verknüpfung der Kanäle zu stärken.
  • Informationen über das eigene Unternehmen im gesamten Netz prüfen und aktuell halten.
  • Inhalte an echten Nutzerintentionen ausrichten und klar kommunizieren, wen man ansprechen will.
  • Ein Glossar aufbauen und intern verlinken.

Ouissas abschließender Rat richtet sich vor allem an Unternehmen ohne Budget für externe Expertise: lieber selbst anfangen, Content erstellen – auch mit KI-Unterstützung –, aber stets gegenlesen, ob Ton und Informationen zur Marke passen. Wichtig sei, überhaupt zu beginnen. Denn wer keine Inhalte bereitstellt, kann weder in Suchmaschinen noch in KI-Systemen gefunden werden.