Vertrauen ist die entscheidende Größe, wenn es um Sichtbarkeit im digitalen Raum geht – sowohl in der klassischen Google-Suche als auch in der neuen, KI-gestützten Suche. In der Podcast-Folge von Video Reloaded spricht Host Florian Gipser mit Julian Kirfel, Unternehmer, SEO-Experte und Gründer des Marktplatzes Link Broker, über Linkbuilding, digitale PR, Videocontent und die Frage, wie Unternehmen dauerhaft auffindbar bleiben. Die zentrale Erkenntnis: Wer digitale Autorität aufbaut, investiert in nachhaltige Sichtbarkeit.

Was Linkbuilding bedeutet

Für viele Unternehmer ist Linkbuilding ein wenig greifbarer Begriff. Julian Kirfel erklärt es anhand einer einfachen Analogie: Suchmaschinen funktionieren ähnlich wie Menschen. Sie lesen Inhalte, machen sich ein Bild und entscheiden dann, ob sie einer Quelle vertrauen. Und Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass man selbst behauptet, der Beste zu sein – sondern dadurch, dass andere das bestätigen.

Du kannst auf deiner Website natürlich schreiben, dass Du der Beste bist. Wenn andere Websites nicht über dich schreiben oder dich verlinken, dann fehlt der Suchmaschine das Vertrauen.

Ein Backlink ist damit vergleichbar mit einem Testimonial oder einem "Like" im Google-Bereich. Die verlinkende Website nimmt sogar in Kauf, dass Nutzer abspringen – ein starker Vertrauensvorschuss. Link Broker setzt sich als Intermediär zwischen jene, die besser ranken möchten, und jene, die Backlinks oder Erwähnungen vergeben.

Werblich oder redaktionell: Unterschiede bei Backlinks

Nicht jeder Link ist gleich viel wert. Kirfel unterscheidet zwischen redaktionell und werblich geschriebenen Inhalten. Ein neutral gehaltener Gastartikel, in dem eine Verlinkung dezent eingebettet ist, entfaltet die volle SEO-Power. Wird ein Artikel dagegen offen werblich verfasst und als Werbung gekennzeichnet, entwertet die Suchmaschine einen Großteil des "Link Juice".

Beide Formate haben ihre Berechtigung. Gerade im Zeitalter der KI-Suche rücken werblich geschriebene Advertorials wieder stärker ins Licht, weil sich damit beeinflussen lässt, was die KI über ein Unternehmen schreibt und ob sie es empfiehlt. KI-Suchmaschinen wie Perplexity oder ChatGPT stünden entwicklungstechnisch dort, wo Google vor Jahren war – und würden viele der Fehler wiederholen, die Google bereits durchlaufen hat.

Youtube und Video als starkes Vertrauenssignal

Ein Backlink von Youtube gehört laut Kirfel zu den stärksten überhaupt. Der Grund: Video-Content lässt sich kaum faken, jemand muss sich vor die Kamera stellen. Das macht die Plattform zu einem glaubwürdigen Signal für Google – und zu einer bevorzugten Quelle für KI-Systeme, die auf echte Nutzersignale zurückgreifen.

Die empfohlene Vorgehensweise lässt sich in einfachen Schritten zusammenfassen:

  • Relevante Suchbegriffe der eigenen Zielgruppe identifizieren.
  • Für jede Suchintention eine optimierte Unterseite mit Content aufbauen.
  • Passende Youtube-Videos zu diesen Themen erstellen und auf der Website einbetten.
  • Von der Website auf den Youtube-Kanal verlinken – und umgekehrt.

So entsteht eine konsistente Struktur, die der Suchmaschine maximale Gründe liefert, dem Anbieter zu vertrauen. Wichtig dabei: SEO ist ein Marathon, kein Sprint. Vertrauen entsteht über Zeit, viele Touchpoints und ein gewisses "Alter" der Präsenz.

Für wen sich SEO lohnt

Nicht jedes Unternehmen sollte SEO priorisieren, betont Kirfel. Eine Eisdiele braucht keine 50 Blogartikel. Besonders lohnend ist der Kanal dagegen für Anbieter mit wenig Wettbewerb und hohem Verkaufswert – etwa Nischen-Champions. Dort lässt sich mit überschaubarem Aufwand ein hoher Customer Lifetime Value erzielen, weil der optimierte Content genau die Wunschkunden anzieht.

Für Neugründer empfiehlt er zunächst bezahlte Kanäle wie Google Ads, LinkedIn oder Meta Ads und ein schrittweises Verschieben des Budgets Richtung organischer Google-Sichtbarkeit. SEO wird dabei zum zusätzlichen, oft entscheidenden Touchpoint am Ende der Customer Journey.

Omnichannel und die Kraft mehrerer Touchpoints

Gipser und Kirfel diskutieren die vielzitierten "7 Touchpoints", die es bis zu einem Kauf braucht – wobei die tatsächliche Zahl branchen- und produktabhängig sei. Bei Link Broker wird ein Omnichannel-Ansatz gefahren: Instagram, TikTok, Youtube, LinkedIn, Newsletter und Google greifen ineinander. In der Praxis tragen Leads häufig mehrere Kanäle ein, über die sie auf das Unternehmen aufmerksam wurden.

Gipser berichtet zudem, wie sich seine eigenen Anfragen verlagert haben: Früher kamen rund 90 Prozent über Google, heute stammt ein größerer Teil aus dem persönlichen Kontakt auf Messen und Events. Ein Beispiel verdeutlicht die Vertrauensbasis, die digitale Präsenz schafft – ein langjähriger Podcast-Hörer sprach ihn zufällig an, woraus sich innerhalb weniger Wochen konkrete Geschäftstermine entwickelten.

Digitale Entitäten, LinkedIn und Corporate Influencer

Ein weiterer Baustein sind sogenannte digitale Entitäten – Personen, Marken oder Dinge, die mit einem Unternehmen in Verbindung stehen. Auch ein Corporate Influencer zählt dazu. Je stärker diese Entität Wissen teilt, Expertise zeigt und sichtbar auftritt, desto besser wird die Auffindbarkeit des Unternehmens.

Kirfel rät außerdem, das eigene LinkedIn-Profil auf der "Über uns"-Seite der Website zu verlinken. LinkedIn-Beiträge werden inzwischen in Google indexiert, und die Verlinkung liefert ein weiteres Vertrauenssignal. Auch professionelle, aus einem Guss produzierte Teamfotos zahlen auf die SEO-Glaubwürdigkeit ein – im Gegensatz zu KI-generierten Bildern. SEO sei eben nicht nur ein Traffic-, sondern auch ein Vertrauenskanal, der zu höheren Conversion-Raten führt.

Der wichtigste Rat zum Schluss

Auf die Frage nach dem einen entscheidenden Tipp antwortet Kirfel klar:

Wenn Du dir eine Website bauen lässt, nimm dir jemanden an die Hand, der auch Ahnung von SEO hat, sonst verbrennst Du Kohle.

Viele Webdesigner lieferten Seiten, deren Texte niemals gefunden werden – die Website funktioniere dann nur als digitale Visitenkarte. Wer Leads generieren will, sollte SEO von Beginn an mitdenken, um nicht doppelt und dreifach zu zahlen.

Das Fazit der Folge: Sichtbarkeit ist die Währung dieses Zeitalters. Content, Video und Vertrauen werden immer wichtiger, während bislang deutlich unter zehn Prozent der deutschen Mittelständler das Thema ernsthaft angehen. Genau darin liegt viel Wachstumspotenzial.