Cover: Sollten wir in Deutschland US-Software kopieren?

Sollten wir in Deutschland US-Software kopieren?

9. Juni 2026 5:57 Min. Zu Gast: Ben Harmanus
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Worum es geht

In dieser Solo-Episode erklärt Ben Harmanus, warum digitale Souveränität ein unterschätztes unternehmerisches Risiko ist – und was passiert, wenn US-Anbieter Zugänge sperren oder Regierungen Datenzugriff erzwingen. Er plädiert für ein europäisches „Copy & Build 2.0

Das nimmst du mit

  • Ein gesperrter Google-Account trifft nicht nur Drive, sondern über Single Sign-On auch Banking, Tools und Kommunikation – prüfe deine verknüpften Zugänge.
  • DSGVO-konforme Server allein schützen nicht, da ausländische Regierungen Datenzugriff erzwingen und US-Anbieter zur Sperrung von Zugängen verpflichtet werden können.
  • Das Rocket-Internet-Modell zeigt, dass „Copy & Build
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Autor: Values & Ventures mit Ben Harmanus

Die wichtigsten Antworten

Worum geht es in der Folge?
Um digitale Souveränität als unternehmerisches Risiko und die Chance, bewährte US-Software nach dem Prinzip Copy & Build in Europa nachzubauen – mit Datenhoheit als Standard.
Was ist Copy & Build 2.0?
Ein am Rocket-Internet-Playbook orientierter Ansatz, bei dem bewährte Software-Modelle nachgebaut werden, jedoch mit europäischer Infrastruktur, europäischem Kapital und Recht sowie digitaler Souveränität als Default-Feature.
Reicht ein DSGVO-konformer Server für digitale Souveränität aus?
Nein. Laut Ben schützt das allein nicht, da ausländische Regierungen Datenzugriff erzwingen und US-Unternehmen zur Schließung von Tool-Zugängen verpflichtet werden können.
Warum ist jetzt eine gute Zeit für europäische Tech-Gründungen?
Weil die Entwicklung von Tools heute deutlich einfacher ist als früher und gleichzeitig eine große Nachfrage nach souveränen, wettbewerbsfähigen Alternativen besteht.

Zu Gast

Host von Values & Ventures

Ben Harmanus ist Host des Podcasts Values & Ventures und Autor eines Content-Design-Buchs. In dieser Solo-Episode teilt er seine Sicht auf digitale Souveränität und europäische Tech-Chancen.

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Transkript

Sollten in Deutschland viel mehr stehen. Ja ernsthaft, wir sollten Softwarelösungen, die wir nicht haben, einfach klonen. Lass mich das mal kurz erklären. Wir reden viel über digitale Souveränität, aber im Alltag arbeiten wir komplett auf 'ner Infrastruktur, die persönlich und unternehmerisch kritisch Denn auch wenn Daten DSGVO konform auf Servern in Europa stehen, können ausländische Regierungen den Zugriff erzwingen, wenn dein Softwareanbieter zum Beispiel ein US Unternehmen ist. Das 2.

Problem ist, wirst Du als Person oder Unternehmen von der US Regierung sanktioniert, dann können US Unternehmen verpflichtet werden, Toolzugänge zu schließen. Es ist echt kein Doom's Day Szenario, sondern bereits passiert und Beispiele dafür gibt's in diesem Video von dir. Stell dir kurz vor, dass dein Google Account geschlossen wird. Das schließt dich nicht nur von Google Services aus. Du könntest dich auch nirgendwo mehr einloggen, wo Du dich mit deinem Single Sign On von Google registriert hast.

Obwohl ich bereits meine Logins umziehe, sind es immer noch 46 Websites, in in die ich mich mit dem Google Log in einlogge. Ehrlich gesagt bin ich selbst grad 'n bisschen geschockt und ich muss da mal dringend aufräumen. Zurück zum Diebstahl. Natürlich reg ich dich hier nicht tatsächlich zum Stehlen an. Deutschland sollte IP Rechte, proprietären Code, Marken und so weiter respektieren.

Wir sollten aber einfach mal auf existierende Lösungen schauen, riesige und auch kleine, die wir selbst bauen können. Lange galt Intect eine simple Regel. Wenn Big Tech es als Feature rausbringen konnte, brauchtest Du auf dem Spielfeld nicht mitspielen. Zu schnell konnten Big Tech Unternehmen ihre bestehende User Base nutzen, Lösungen zu verbreiten. Zu schwierig war es dann, Investoren für sich zu gewinnen.

Diese Zeiten, die sind vorbei. Und eine alte Ära muss wieder aufflammen, denn Deutschland war mal ein Superstar im Kopieren von US Geschäftsmodellen und Start ups, die bereits skalierten. Bei dem einen oder anderen klingelt's vielleicht bereits. Ja, ich rede von Rocket Internet. Die Firma war teilweise in der Start up Szene verpönt.

Eine Fabrik, die am Fließband Copycats herausbrachte. Uncool, zu hart, zu schnell, zu wenig romantisch. Sogar deutsche Gründerinnen hatten irgendwann Angst, dass aus dem Boden gestampfte, mit viel Kapital ausgestattete Start ups von Rocket Internet ihre Ideen nehmen und blitzschnell skalieren. Dieser Blick war nicht unbegründet. Aber jetzt blick ich mit dir mal auf eine andere Seite.

Rocket Internet hat auch einiges abgeliefert, denn aus den kopierten Businessideen wurden schnell eigenständig operierende Start ups, die mit eigenen Ansätzen und Produktenmärkte eroberten. Gute Kopierer erkennen eben Muster, übersetzen sie in einen neuen Kontext und machen sie dann besser. So können starke übersetzen sie in einen neuen Kontext und machen sie dann besser. So können starke Unternehmen entstehen, nicht von 0, nicht mit 'ner revolutionären Grundidee, aber mit Tempo, Fokus und 'nem klaren Blick auf einen regionalen Markt. Hier siehst ein paar Beispiele für Unternehmen, zu denen Rocket Internet ins Leben gerufen hat.

Blossybox klonte Box, Home24 dann Wayfair, Westing war unser Fab dot com und ging als Square Pendant ins Rennen. Hapling klonte Home Joy. War sogar für eine kurze Zeit selbst bei Hapling, bevor ich zum kanadischen Scaleup unbounds wechselte. Manchmal war das Rocket Start-up so schnell, dass das Original hier nie Bekanntheit erlangte. Du findest diese Unternehmen nicht beeindruckend genug.

Die börsennotierten Unternehmen Zalando, HelloFresh und Delivery Hero kommen ebenfalls aus dem Rocket Internet Universum. Was wichtig ist, ein Copy- und Bildmodell kann funktionieren, wenn man unterversorgte Märkte schnell und konsequent besetzt. Und was digitale Souveränität und Nachhaltigkeit angeht, sind wir hier in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz meines Erachtens unterversorgt. Aus dem Umfeld von Rocket sind schätzungsweise 400 Gründerinnen hervorgegangen, die eigene Unternehmen aufgebaut haben. Rocket Internet war nicht nur einfach eine Klonfabrik, Rocket war ein Gründerinmotor, eine Maschine, die eine Candu Energie gefordert hat und auch Freisetzte, bei denen Mitarbeiterinnen gelernt haben, schnell zu denken, schnell zu bauen und ihr aufzugeben.

Ich möchte das echt nicht romantisieren. In 'nem Rocket Start-up zu arbeiten, das hatte auch seinen Preis, aber einen gewissen Impact kann man auch nicht leugnen. 1 der prominentesten Ex Rocket Internet Mitarbeiterinnen ist Lea Sophie Kramer, die ohne diese Mentalität mit Amorelie, ihrem Online Versandhandel für Erotikspielzeug entgegen vieler Widerstände niemals hätte erfolgreich sein können. Rocket Internet existiert noch, dominiert aber mit seinem Portfolio nicht mehr so Deutschlands Start up Schlagzeilen wie noch vor 10 Jahren. Das Erbe von Rocket Internet ist also auch so etwas wie die berühmte PayPal Mafia, also eine Reihe von Gründerinnen, die nach dem Ausstieg erfolgreich gründen und bauen.

Diese Rocket Internet Mafia ist vielleicht das wahre Vermächtnis. Genau diesen Spirit brauchen wir jetzt wieder, aber mit 'ner neuen Logik, Copy and build, aber mit dem Standardfeature digital souverän. Das heißt, bewährte Modelle mit europäischer Infrastruktur, mit europäischem Kapital entwickelt und europäischem Recht, das nicht einfach überschrieben werden kann. Wir müssen nicht mal sofort die besten Tools der Welt bauen. Wir brauchen einfach nur MPPs, also Produkte mit den relevantesten Features und maximaler Datenvolumen und wir müssen preislich wettbewerbsfähig sein.

Ein kleiner Aufschlag für Souveränität ist okay, aber Europa in die Souveränität zu bringen, ist schwer, wenn man einen Vielfaches für made in Germany zahlt. Start ups oder Mittelständler können diesen Weg sonst nur sehr, sehr schwer gehen. Falls Du immer noch 'n Störgefühl hast und sich das alles unhedisch anfühlt, viele smarte Menschen und Unternehmen weltweit konnten sich nicht durchsetzen, weil Techfirmen immer wieder ihre Macht- und Monopolstellungen ausnutzen, Wettbewerber und kleine Herausforderer zu blockieren. Wer keinen langen Atem hatte, musste einfach aufgeben. Die Regulierung in Europa kommt in der Regel nicht so schnell nach, wie Verstöße im Wettbewerbsrecht stattfinden.

Das Preisvergleichsportal idealo hat Verstöße im Wettbewerbsrecht stattfinden. Das Preisvergleichsportal idealo hat trotzdem überlebt. Google bevorzugte nachweislich in den eigenen Shopping Ergebnissen das eigene Produkt Google Shopping und wurde vom Landgericht Berlin dazu verurteilt, 465000000 Euro an Idealo zu zahlen. Wir Europäer sind an der heutigen Situation nicht schuldlos, aber 'n schlechtes Gewissen müssen wir jetzt nicht haben, wenn wir alle Karten ausspielen, wieder Kontrolle zu erlangen. Okay, was wir jetzt brauchen, sind digital souveräne Gegenstücke zu den essenziellen Tools unseres unternehmerischen Betriebssystems.

Die Du baust oder die Du kaufst, so auf die eine oder andere Art unterstützt Du ein florierendes europäisches Tech Ökosystem. Mehr noch, ich bin davon überzeugt, dass wir insgesamt als europäische Gemeinschaft profitieren, dass wir hier in Deutschland profitieren, wirtschaftlich, sozial, ökologisch. Switchcht Du schon auf europäische Tools oder baust Du sogar Softwarelösungen? Schreib's in die Kommentare und bleib souverän.

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