Ein Ökosystem lebt nicht vom Code allein, sondern von den Menschen, die ihn nutzen, weitergeben und gemeinsam verbessern. Genau an diesem Punkt setzt der neue Shopware Community Hub an – ein digitaler Ort, an dem Lernen, Austausch und Anerkennung zusammenkommen sollen. In Folge 031 des Commerce Famous Podcasts sprach Gastgeber Ben Marks mit seinen Shopware-Kollegen Dennis Höting, Director im Produktbereich, und Sander Mangel, langjähriger Community-Organisator, über die Entstehung, die Philosophie und die Zukunft dieses Projekts.
Ein Ort für ein zersplittertes Ökosystem
Die Idee stammt von Mark Stanley, Chief Product and Technical Officer bei Shopware. Sein Ausgangspunkt war das, was er selbst als „bag of bits" bezeichnete – die verstreute, unstrukturierte Masse an Informationen, Signalen und Inhalten, die in einem Open-Source-Ökosystem entstehen. Ben Marks gab offen zu, dem Vorhaben zunächst skeptisch gegenübergestanden zu haben: Er hielt es für sinnvoller, auf bestehende Plattformen zurückzugreifen, statt interne Produkt- und Entwicklungsressourcen zu binden.
Dennis Höting beschrieb die zwei zentralen Herausforderungen, die das Team identifizierte: erstens kontinuierliches Lernen und Onboarding zu erleichtern, zweitens die vielen Signale aus dem Ökosystem – aus Slack, Stack Overflow, GitHub, Blogs, Podcasts, Webinaren oder YouTube – an einem zentralen Ort zu bündeln. Ziel sei es, den „Puls der Community" sichtbar zu machen und Synergien zu erkennen.
Mit der Community gebaut, nicht nur für sie
Ein entscheidendes Prinzip zog sich durch die gesamte Entwicklung: Der Hub sollte nicht für, sondern mit der Community entstehen. Bereits rund sechs Wochen nach der ersten Idee sprach das Team mit den ersten Community-Mitgliedern. Auf eine geschlossene MVP-Phase mit einer Handvoll Beteiligter folgte früh eine offene Beta-Phase.
Sander Mangel, der seit Jahren Community-Arbeit betreibt, betonte den bleibenden Wert persönlicher Begegnungen. Auf Events wie der Webwinkel Vakdagen in den Niederlanden treffe man Menschen wieder, die man ein halbes Jahr nicht gesehen habe – und gleichzeitig fehle es oft an neuen Gesichtern. Genau deshalb brauche es einen zentralen Ort, der Community sichtbar mache und den Zugang erleichtere.
Es fühlt sich ein bisschen wie Familie an. Es sind dieselben Leute wieder – man kennt einander, und doch ist es so offen und einladend für alle anderen.
Lernen als Kern des Ökosystems
Ein Schwerpunkt des Hubs liegt auf Enablement. Höting erklärte, dass die Lerninhalte bewusst „text first" gestaltet seien, weil Aktualität und Pflegbarkeit entscheidend seien – gegebenenfalls unterstützt durch KI zur besseren Aufbereitung. Die Inhalte sind modular in Lernpfade, Kurse und einzelne Einheiten gegliedert.
Sander Mangel hob hervor, dass diese Modularität einen echten Unterschied mache. Viele Plattformen erwarteten, dass man ihr Produkt von A bis Z beherrsche. In der Realität arbeiteten Entwickler jedoch oft mit mehreren Systemen und bräuchten nur bestimmte Bausteine – etwa eine Zahlungsintegration. Der Hub richte sich zudem nicht nur an Entwickler, sondern auch an Solution Specialists und Merchants.
- Der Hub bündelt Signale aus Slack, Stack Overflow, GitHub, Blogs, Podcasts und YouTube an einem Ort.
- Lerninhalte sind modular aufgebaut – Nutzer können sich die für sie relevanten Teile herausgreifen.
- Jede Lerneinheit erlaubt Kommentare, Fragen und Ergänzungen durch die Community.
- Ein Kudos-Leaderboard macht Fachexpertise in einzelnen Themenbereichen sichtbar.
- Der Zugang ist offen und kostenlos, ohne Verpflichtung zur aktiven Teilnahme.
Motivation, die aus einem selbst kommt
Ein zentrales Gestaltungsprinzip war die Balance zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. Manche Nutzer wollten sichtbare Profile, Badges und Zertifikate – aus persönlichen oder geschäftlichen Gründen. Andere wollten schlicht lernen und sich verbessern, ohne öffentliche Anerkennung. Der Hub gibt den Menschen deshalb die Wahl: Profile können öffentlich oder privat sein.
Mangel verwies auf das Beispiel des Kollegen Nam Li aus Vietnam, der durch Badges und Punkte im Hub motiviert werde, aktiver auf Stack Overflow zu sein. Diese Form der Motivation sei nachhaltiger, weil sie ein „Wettlauf mit sich selbst" sei und nicht mit anderen. Ein weiterer Aspekt ist die Verbindung von digitaler und physischer Welt: Ein digital erworbenes Badge könne auch als echtes Metall-Abzeichen ausgehändigt werden – etwas, das über bloßes Merchandising hinausgehe und echte Wertschätzung ausdrücke.
Eine bewusste Investition ohne kommerzielles Kalkül
Höting bestätigte, dass ein festes Team am Hub arbeitet: derzeit fünf Entwickler sowie ein UX Engineer, dazu ein Großteil seiner eigenen Zeit und die Zusammenarbeit mit Marketing und weiteren Abteilungen. Ein zusätzliches Team pflegt die Lerninhalte. Der gesamte Zugang bleibt kostenlos und offen. Für Stanley sei die Leitfrage nicht gewesen, ob man sich das leisten könne – sondern ob man es sich leisten könne, es nicht zu tun.
Wichtig war den Beteiligten auch die kulturelle Haltung: Shopware wolle das Gespräch ermöglichen, nicht steuern. Inhalte, die von der Community stammen, sollen sichtbar gefeiert werden – „bunt und glänzend", während von Shopware kuratierte Inhalte entsprechend gekennzeichnet sind.
Der Blick nach vorn
Auf die Frage, was sie in sechs Monaten sehen möchten, wünschte sich Mangel vollständige Profile und echte Anerkennung für Menschen, die seit Jahren beitragen, ohne dafür gewürdigt worden zu sein. Zudem erhofft er sich direktes Feedback aus der Praxis, das die Lerninhalte realitätsnäher macht – denn Shopware betreibe selbst keine eigenen Shops.
Höting formulierte sein Ziel so: den Beweis zu erbringen, dass die richtige Basis für ein System geschaffen wurde, das mit der Community lebt – in dem Menschen einander helfen, zusammenarbeiten und Synergien erkennen. Denn Shopware baue nur das Fundament; genutzt und gepflegt werde der Hub vom Ökosystem selbst.
Der Community Hub befindet sich aktuell in einer offenen Beta-Phase und ist unter hub-beta.shopware.com erreichbar. Der Login funktioniert über GitHub, den Community-Slack oder ein Shopware-Konto. Wer sich noch nicht aktiv beteiligen möchte, kann zunächst über die Lernpfade einsteigen – oder einfach da sein und zusehen, bis das Interesse wächst.