Zum ersten Mal ist der Podcast Behind the Story mit einem völlig neuen Format unterwegs: Statt eines langen Einzelgesprächs entstand die 40. Folge direkt auf der SEO Campixx Extreme in Berlin. Der Gastgeber sprach dort spontan mit fünf Menschen aus der Onlinemarketing-Branche – Puni, Martin, Joachim, Beatrice und Rick. Jede und jeder gab einen kurzen Einblick in den eigenen Werdegang, das aktuelle Geschäft und teilte einen persönlichen Tipp. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbild einer Branche im Umbruch.
Fünf Wege in die Suchmaschinenoptimierung
Auffällig ist, wie unterschiedlich die Wege in die SEO-Welt verliefen. Puni kam ursprünglich aus dem Iran nach Deutschland, arbeitete sich als Bankkauffrau und Wirtschaftsinformatikerin über Weiterbildungen zur Webentwicklerin und schließlich zur Lead SEO bei der TWT Group in Düsseldorf hoch. Für sie war der Wechsel ein Zufall, der zur Berufung wurde: „Ich bin ein Zahlenmensch – Daten und Fakten, das ist genau meine Welt.“
Martin Hinterdorfer betreibt seit 1998 eine Full-Service-Werbeagentur in Graz und beschreibt es so, dass nicht er zur SEO gekommen sei, sondern die SEO zu ihm. Joachim Nickel rutschte aus der Softwareentwicklung über die Einführung der DSGVO 2018 in die datenschutzkonforme Webanalyse mit Matomo. Beatrice Köhler entdeckte über einen Ernährungsblog und viele eigene Umzüge die Nische Local SEO. Und Rick Steinicke, Gründer der Netzwerkagentur „Wir branden“, beschreibt SEO augenzwinkernd als die Schnittmenge aus vielen Halbkenntnissen – kombiniert mit der Fähigkeit, zwischen Kunden, IT und Content zu übersetzen.
KI verändert die Branche grundlegend
Das dominierende Thema war die künstliche Intelligenz. Puni und ihr Team arbeiten aktuell an sogenannten Geo-Audits – der Optimierung für KI-Suchmaschinen wie ChatGPT, Gemini oder Copilot. Sie betont dabei, dass klassische SEO keineswegs tot sei: „Man kann die schönste Website haben, aber wenn die Suchmaschinen und die KI-Bots damit nicht agieren können, dann sieht keiner unsere Website.“ Saubere Technik bleibe die Basis, auf der KI-Optimierung aufsetzt.
Joachim Nickel sieht die größte Herausforderung in der Webanalyse: KI-Bots verhielten sich anders als menschliche Nutzer und versteckten sich teilweise komplett, sodass verlässliche Entscheidungen schwieriger würden. Beatrice Köhler wiederum berichtet, dass Automatisierung im Local SEO längst weiter fortgeschritten sei, als es nach außen scheint – vom Rezensionsmanagement bis zur Erstellung ganzer Google-Business-Profile. Ihr Plädoyer gilt jedoch der Teilautomatisierung mit menschlicher Kontrolle.
Storytelling und Markenidentität als Differenzierung
Ein roter Faden zog sich durch die Gespräche: der Wert von Geschichten und Marken. Rick Steinicke schilderte, wie viele erfolgreiche Onlineshops genau dann scheiterten, wenn sie zu erfolgreich wurden – weil ihnen eine Markenidentität fehlte und sie in einen reinen Preiskampf gerieten. Als Beleg nannte er das Experiment „Significant Objects“, bei dem wertlose eBay-Artikel durch gute Geschichten zu hohen Preisen verkauft wurden.
Eine gute Geschichte kann eine Auswirkung auf den Preis haben. Du bist nicht mehr vergleichbar.
Beatrice Köhler brachte zudem einen konkreten, sofort umsetzbaren Tipp mit: das oft übersehene Apple Business Profil in Apple Maps. In der DACH-Region nutzten Millionen Menschen regelmäßig die Apple-Karte, die auch in vielen modernen Fahrzeugen verbaut ist. Ihr Rat: das eigene Unternehmen auf der Apple-Maps-Plattform suchen, sichern und optimieren.
Kernaussagen der Folge
- SEO ist nicht tot, sondern bildet die technische Basis auch für die Optimierung auf KI-Suchmaschinen.
- Geo-Audits und KI-Optimierung sind die aktuell dominierenden Entwicklungen im Onlinemarketing.
- Datenschutzkonforme Analyse mit Tools wie Matomo gewinnt an Bedeutung – Google Analytics ist nicht immer die beste Wahl.
- Markenidentität und Storytelling schützen vor dem reinen Preiskampf.
- Das Apple Business Profil bietet ungenutztes Potenzial für lokale Sichtbarkeit.
Was bleibt: Lernen, Mut und Vertrauen
Die Expertentipps zum Abschluss waren bemerkenswert einheitlich. Martin Hinterdorfer riet, nie zu verlernen, wie man lernt: „Egal welchen Tipp man gibt, der kann übermorgen obsolet sein. Wenn ich die Fähigkeit habe, mich selbst weiterzuentwickeln, kann ich mich auf neue Systeme einstellen.“ Rick Steinicke ergänzte, man solle mutiger sein und Produkte früher an den Markt bringen, statt auf Perfektion zu warten: „80 Prozent an Markt gehen – die letzten 20 Prozent schaffen wir dann.“
Für die Zukunft sieht Rick eine dünner werdende Luft für klassische Agenturen und eine neue Blütezeit der Freelancer, gefolgt von einer Gegenbewegung, in der Vertrauen wieder zentral werde. Genau darauf setze er mit seinem kuratierten Netzwerk aus langjährigen Partnern. Puni schloss mit einem sehr persönlichen Appell: „Wenn man an sich glaubt und alles gibt, dann schafft man alles.“ Sie bedankte sich zudem – auf Persisch – bei ihrem Mann, ohne dessen Unterstützung ihr Weg nicht möglich gewesen wäre.
Die Folge zeigt exemplarisch, welchen Wert persönliche Begegnungen auf Fachkonferenzen haben: Aus dem spontanen Nebeneinandersitzen entstand zwischen Gastgeber und Rick Steinicke bereits die Idee einer Produktkooperation rund um KI-gestützte Content-Erstellung und Storytelling. Die nächste reguläre Ausgabe von Behind the Story kehrt wieder zum gewohnten langen Gesprächsformat zurück.